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Einer für alle, alle für einen - Sportler mit Herz

Verantwortlicher Autor: Metropress Frankfurt, 29.09.2016, 12:52 Uhr
Presse-Ressort von: Rainer Michelmann Bericht 10096x gelesen

Frankfurt [Metropress] Seit 21 Jahren wird der PEGASOS-Preis in der Kategorie „Sportler mit Herz“ beim Deutschen SportpresseBall nicht für sportliche Errungenschaften wie Siege, Medaillen und Rekorde, sondern vor allem für berührendes Engagement, Teamgeist und Fairness verliehen. In diesem Jahr geht der Preis an das Turn-Team Deutschland Gerät Turnen Männer. „Wir verdanken dem Quintett einen der bewegendsten Momente dieser Spiele".

"Wir verneigen uns vor diesem zu Herzen gehenden Mannschaftsgeist. Andreas Toba, Fabian Hambüchen, Andreas Bretschneider, Marcel Nguyen und Lukas Dauser erfüllen alle Kriterien, die unsere Auszeichnung Sportler mit Herz ausmacht: berührendes Engagement, Teamspirit und Fairness“, erklärt Ball-Organisator Jörg Müller. Die Auszeichnung wird traditionell unterstützt von der Fraport AG, und der Flughafenbetreiber kann sich hundertprozentig mit den diesjährigen Preisträgern identifizieren.

berührendes Engagement, Teamgeist und Fairness verliehen Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hatten sich gerade erst warmgelaufen, in den Kommentarspalten erreichte die Debatte über den möglichen Verrat der Ideale dieses Weltsportfestes ihren Höhepunkt, da gelang einem jungen Mann aus Hannover und seinen Teamkollegen ein kleines Wunder. 31 Sekunden lang wirbelte Turner Andreas Toba mit stilvoller Eleganz über das Pauschenpferd, jede Schere scheinbar schwerelos in die Luft gezirkelt. Unten am Mattenrand sahen die Teamkollegen Fabian Hambüchen, Andreas Bretschneider, Marcel Nguyen und Lukas Dauser mit bangem Blick zu, stürzten sofort zu Toba, als er mit Tränen im Gesicht vom Gerät weghumpelte.

Das Quintett hatte nicht nur höchst eindrucksvoll gelebten Teamgeist demonstriert, sondern gleichzeitig den Olympischen Spielen in schwierigen Zeiten einen magischen Moment geschenkt, der zeigte, dass eines der größten globalen Sportfeste immer noch eine Seele besitzt, die berührt und bewegt. Diese Bilder sind nun auf ewig mit den Spielen unter dem Zuckerhut verknüpft. Wie sich Toba bei der Bodenübung gleich in der ersten Bahn nach einer Doppel-Schraube das rechte Knie verdreht. Wie er tränenüberströmt die Halle verlässt.

Wie er wenig später zur Überraschung aller zurückkehrt und mit stramm getapedem Knie die Übung am Pauschenpferd absolviert, weil er weiß, dass jeder Punkt für seine Mannschaft zählt, um ins Teamfinale einzuziehen. Bei jedem anderen Wettbewerb hätte Toba vielleicht nach seiner schweren Verletzung – Kreuzbandriss und Meniskusschaden – auf eine Fortsetzung verzichtet. Doch das hier waren die Olympischen Spiele, das war der allumfassende Höhepunkt, auf den er und seine Teamkollegen so lange hingearbeitet hatten. Andreas Bretschneider formulierte es zwei Tage später auf Facebook am prägnantesten:

Blut, Schweiß und Tränen in mehr als 30 Wochenstunden, Verzicht auf Freizeit, Freunde und Familie, der ewige Kampf gegen den Schmerz und die Selbstzweifel – und das ganze vier Jahre lang für diesen einen Moment. Im Bruchteil einer Sekunde zerplatzte unser Medaillentraum.“ Das erklärt, warum Toba, nach Rücksprache mit dem Mannschaftsarzt, noch einmal antrat. „Als ich auf der Pritsche lag, dachte ich nur: Du musst dem Team helfen“, sagte er rückblickend. Also blendete er den Schmerz in Herz und Seele aus, transformierte seine riesige persönliche Enttäuschung in eine unglaubliche Energieleistung, zeigte die beste deutsche Übung am Pferd, die seiner Mannschaft die knappe Qualifikation fürs Finale bescherte.

Wer weiß – vielleicht hat dieses Gemeinschaftserlebnis darüberhinaus nicht ganz unwesentlich dazu beigetragen, dass ein beflügelter Fabian Hambüchen im Finale am Reck eine überragende Leistung turnte und als Olympiasieger seine Karriere beenden durfte. Während Bundestrainer Andreas Hirsch nach dem knapp erreichten Teamfinale fast nüchtern konstatierte: „Sein Einsatz hat in dem Moment den Ausschlag gegeben“, überschlugen sich anschließend die Reaktionen. Die Sportkollegen von Timo Boll bis Stefan Kretzschmar verneigten sich via Twitter oder Facebook vor dieser fantastischen Einsatzbereitschaft. „Es ist eine Ehre, jemanden wie ihn im Team zu haben“, sagte Hambüchen, und DOSB-Präsident Alfons Hörmann legte sich bereits fest:

„Für mich ist Andreas Toba Sportler des Jahres“. Einer für alle, alle für einen. Auch wenn klar war, dass die Medaillen im Teamfinale außer Reichweite lagen, wollte das Turn-Team anschließend um jeden Punkt kämpfen – für Toba. „Ganz egal, was passiert: wir haben trotzdem gewonnen! Denn unser Stolz und die Härte für kommende Aufgaben bleiben für immer“, konstatierte Andreas Bretschneider, und Fabian Hambüchen sagte: „Das wichtigste war die Mannschaft, dass wir alle das noch einmal zusammen erleben dürfen und im Finale antreten.“

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