Donnerstag, 04.06.2020 15:51 Uhr

"Osterspaziergang" in Zeiten von Corona

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 06.04.2020, 10:38 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5494x gelesen

Wien [ENA] Ostern naht und das beginnende Schönwetter lockt, wie jedes Jahr, zum Osterspaziergang. Unwillkürlich denkt man da auch gerne an Goethes Faust, der den "Osterspaziergang" zum literarischen Ereignis gemacht hat. "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick"...Unvergessliche Worte, die seit der Schulzeit untrennbar mit dem Frühling verbunden sind.

Nun, diesen Winter gab es, wenigstens in den Niederungen in Österreich, kaum Schnee und Eis. Er war so warm wie nie zuvor und jetzt werden die unerwarteten vielen strahlend sonnigen Apriltage, die so gar nicht zu dem sonst üblichen verregneten April passen, zwar zögerlich, aber trotzdem dankbar angenommen. Fast scheint es, dass wir umgeben sind von einer eigenartig leuchtenden Atmosphäre, die von gefährlichen aggressiven Viren geschwängert scheint und unser Frühlingsbedürfnis nach Luft und Sonne in ein beklemmendes Zwielicht taucht. Es bleibt viel Zeit zum Nachdenken während der Corona-Quarantäne, die uns gerade in Atem hält. Warum also nicht auch wieder an den Faust denken und an seinen folgenschweren Packt mit dem Teufel.

An das arme, verliebte Gretchen und die dunkeln, mittelalterlichen Studierstuben mit ihren Apparaten für phantastische, zauberische Zwecke, in denen die Alchemie die Geheimnisse der Welt ergründen will. Aber richtig geisterhaft wird es dann im Faust II. Gothe entführt uns da in eine Fantasie-und Traumwelt, die mit dem stumpfen Alltagsbewusstsein kaum noch erfahrbar ist. In einem Panoptikum an Geister-und Fabelwesen, einer Walpurgisnacht mit Hexen, auferstandenen griechischen Helden, Faust und Helena haben einen Sohn, Mephisto ist Hofnarr am Kaiserhof und der künstliche Mensch "Homunkulus" lebt in der Phiole. Goethe selbst nannte den Faust II "innkommensurabel" Noch immer steht die Theaterwelt diesem Stück ziemlich ratlos gegenüber.

Zwar wäre die Technik um es aufzuführen heute vorhanden, aber vielleicht fehlt es noch an einem anderen Bewusstsein um dieses literarische Vermächtnis zu verstehen und darzustellen. Doch die "Auferstehung" naht. Darum geht es ja zu Ostern und sie hat jetzt für uns eine besondere Bedeutung, nämlich das Ende der Corona-Pandemie, das Ende der Ausgangsbeschränkungen, das Öffnen der Geschäfte, das Reisen und Freunde treffen, ein Zustand nach dem wir uns alle sehnen und ein Neuanfang. Und mit welchen Worten endet der Faust II? "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen". Da ist anscheinend noch viel zu tun auf dieser Welt!

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